14.09.2011, 09:02:28 Uhr

Interview mit den Machern des Rottweiler Agenda-Kinos

"Taste The Waste", "Plastic Planet" und noch viel mehr


ROTTWEIL, 14. September (pm) - Am 21. September startet im Rottweiler Central-Kino eine neue Reihe mit Filmen, ausgewählt von den Agenda-Gruppen Umwelt und Klimaschutz. Die Macher geben hier der NRWZ ein Interview.


NRWZ: Gerade letzte Woche war – begleitet von vielen Aktionen und Dokumentationen in allen Medien – der Bundesstart des Films ‚Taste The Waste‘ über unsere Nahrungsmittelverschwendung. Wird dieser Film auch im Agenda-Kino gezeigt werden?

AK: Ja, dieser Film ist für Januar vorgesehen, genauer am Mittwoch 18. Januar. Der Regisseur Valentin Thurn hat bereits zugesagt zu dem Termin nach Rottweil zu kommen. Es ist nicht immer möglich, die Filme (und den Regisseur) direkt zum Start in das hiesige Kino zu bekommen, aber das Thema wird sicher auch noch 2012 aktuell sein.

NRWZ: Nächsten Mittwoch startet das Agenda-Kino mit dem Film "Plastic Planet" ins zweite Halbjahr.

AK: Ja, das neue Programm liegt aus und wird bereits verschickt, und wir hoffen, die Erwartungen des Publikums zu erfüllen. "Plastic Planet" thematisiert Fluch und Segen des Plastik-Zeitalters und weist auf mögliche gesundheitliche Schäden durch gewisse Kunststoffe hin. Der Film führt nebenbei vor Augen, dass wir mit unserer Art zu produzieren und zu konsumieren weit entfernt sind von einer Kreislaufwirtschaft und global bereits ein gewaltiges Müllproblem haben.

NRWZ: Welche weiteren Filme stehen auf dem Programm im zweiten Halbjahr?

AK: Im November zeigen wir ‚Water Makes Money‘, worin es um die Privatisierung der Wasserversorgung geht, deren Konsequenzen an konkreten Beispielen dargestellt werden, im Dezember ‚Jane’s Journey‘, ein Film über das Leben der Primatenforscherin Jane Goodall und ihre unermüdlichen Aktivitäten für eine lebenswerte Zukunft.

NRWZ: Was ist dann für Oktober geplant?

AK: Im Oktober steht eine Besonderheit auf dem Programm: Anstelle eines Films eine Lesung (da der Film zu den Büchern erst noch im Entstehen ist). Und zwar wird der Bestseller-Autor und Öko-Science-Fiction-Schriftsteller Dirk C. Fleck aus seinen Romanen "Das Tahiti-Projekt" und "Maeva!" lesen, über seine Motivation erzählen und sich den Fragen des Publikums stellen.

NRWZ: Nach welchen Kriterien wählen Sie die Filme eigentlich aus?

AK: Wir wählen möglichst aktuelle Filme der letzten Jahre aus, teilweise auch ältere, deren Botschaft uns immer noch relevant erscheint. Dabei handelt es sich in der Regel um Dokumentarfilme, die gesellschaftliche Entwicklungen in ihrem globalen Kontext beleuchten. Sie sollen nicht nur komplexe weltweite Zusammenhänge verdeutlichen, sondern auch lokale Lösungsansätze vorstellen. Ganz im Sinne des Grundgedankens der Lokalen Agenda: global denken - lokal handeln.

NRWZ: Damit kommen wir zum Allgemeinen: Das Agenda-Kino ist eine Initiative der Arbeitskreise Umwelt und Klimaschutz der Lokalen Agenda 21 Rottweil. Was bedeutet das und was steckt dahinter?

AK: Zunächst einmal ist die Agenda 21 ein umfangreiches weltweites Aktionsprogramm für eine umweltverträgliche, nachhaltige Entwicklung. Sie wurde 1992 von der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro beschlossen. Das lateinische Wort "Agenda" bedeutet ja „das, was zu tun ist“. Übrigens steht 2012 der Gipfel ‚Rio + 20‘ auf der ‚Agenda‘ der UNO-Staaten.

NRWZ: Und was hat es nun mit der Lokalen Agenda auf sich?

AK: Der lokalen Ebene kommt bei der Umsetzung der Agenda 21 eine entscheidende Rolle zu, da viele der Probleme und Lösungsansätze auf lokaler Eben wirksam werden. Die Kommunen wurden aufgefordert, gemeinsam mit ihren Bürgerinnen und Bürgern und gesellschaftsrelevanten Gruppen eine „Lokale Agenda 21“ aufzustellen und umzusetzen. Daraus sollen zukunftsfähige Handlungskonzepte entstehen, welche die ökologischen, ökonomischen und sozialen Lebensbedingungen in Einklang bringen, mit dem Ziel der langfristigen Sicherung der Lebensgrundlagen. 1999 wurde von engagierten Bürgern die Lokale Agenda 21 Rottweil ins Leben gerufen. Derzeit sind die Arbeitskreise Klimaschutz, Umwelt sowie Neue Wohn- und Lebensformen aktiv.

NRWZ: Wie kam es dazu, ein Agenda-Kino ins Leben zu rufen?

AK: Den ersten Impuls gaben Elke und Karl-Heinz Spors Anfang 2010. Sie kannten den Filmemacher Carl A. Fechner von früheren Umwelt-Aktivitäten und wollten dessen neuen Dokumentarfilm „Die 4. Revolution - Energy Autonomy“ bewerben und nach Rottweil holen. Daraus entstand im Arbeitskreis Klimaschutz der Lokalen Agenda eine Projektgruppe, die viel Vorarbeit leistete. Im April letzten Jahres war es soweit, der Autor hielt einen Einführungsvortrag und nach der Filmvorführung diskutierte er im voll besetzten Kino mit den Zuschauern. Innerhalb von zwei Wochen, sahen den Film in Rottweil rund tausend Besucher.

NRWZ: Nach diesem schönen Erfolg ging es aber erst einmal nicht weiter.

AK: Um ein solches Vorhaben erfolgreich zu gestalten, müssen die ehrenamtlich Aktiven sehr viel Zeit einsetzten. Deshalb war der Einsatz für diesen großartigen Film von Anfang an als einmalige Aktivität geplant, und die Projektgruppe löste sich anschließend wieder auf.

NRWZ: Was hat Sie bewogen, ein Jahr später doch ein regelmäßiges Film-Programm zu starten?

AK: Nun, wer sich intensiv mit Umwelt, Klimaschutz und nachhaltiger Entwicklung beschäftigt, gewinnt im Laufe der Zeit unweigerlich tiefere Einsichten. Fakten werden einem bekannt, Hintergründe deutlich, Zusammenhänge klarer. Irgendwann wünscht man sich, dass mehr Menschen davon erfahren und sich damit auseinander setzen. Zudem kam die Idee, dass Bilder oft mehr sagen als tausend Worte. Daher versuchen wir mittels des Mediums Dokumentarfilm Fakten über globale Probleme zu transportieren und zur Diskussion über die Themen anzuregen. Im Übrigen gab es in Rottweil bisher keine regelmäßigen Kinoveranstaltungen mit gesellschaftskritischen Inhalten, die in vielen anderen Städten bereits etabliert sind.

NRWZ: Wie war die Resonanz auf die erste Serie von April bis Juli?

AK: Sehr erfreulich, die Zuschauerzahlen sind von 50 auf über 100 pro Vorstellung angewachsen, so dass wir denken, dass die Serie in Rottweil bei einem zunehmend interessierten Publikum ankommt.

NRWZ: Die Agenda-Kino-Vorstellungen laufen etwas anders ab als normale Kino-Vorstellungen, was ist das Besondere daran?

AK: Nun, es gibt keinen Film mit Werbung, sondern nur den Trailer des jeweils nächsten Agenda-Films vor dem Hauptfilm zu sehen. Ferner bereiten wir eine kurze Einführung vor und legen auch Info-Material für interessierte Besucher im Foyer des Kinos aus. Der Eintrittspreis ist ermäßigt dank unserer Sponsoren. Nach der Vorstellung steht jeweils noch Zeit zur Diskussion zur Verfügung, wobei wir versuchen, dazu Experten ins Kino zu holen. Die Kinobesitzerin Frau Ullrich ist sehr kooperativ, so dass wir solch neue Wege beschreiten können.



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