11.07.2011, 16:29:47 Uhr

Umwelt und Verkehrssicherheit

Abwrackprämien haben wenig gebracht

Von Ernst Bauer



Kein positives Urteil fällt eine Studie über die deutsche Abwrackprämie.
Foto: sxc
ROTTWEIL, 11. Juli (eba) -Die staatlichen Subventionen beim Kauf eines Neuwagens (Abwrackprämien) haben weder beim Umweltschutz noch bei der Verkehrssicherheit die erhofften Ziele erreicht. Das ist einer am Montag in Paris veröffentlichen Studie des Weltverkehrsforums (ITF) der OECD und der FIA Foundation zu entnehmen, die sich mit solchen Kampagnen in Deutschland, Frankreich und den USA auseinandergesetzt hat.


Auf 70 Seiten werden die Abwrackprogramme, die im Gefolge der Wirtschaftskrise 2008 mit dem vorrangigen Ziel der Konjunkturbelebung eingeführt wurden, detailliert beschrieben.

Es geht dabei um die Auswirkungen auf die CO2- und NOx-Emissionen von 2,8 Millionen Transaktionen, bei denen in Deutschland Frankreich und den USA Altwagen im Rahmen von Abwrack-Programmen gegen Neuwagen ausgewechselt wurden. Die Autoren des Berichts ermittelten den Geldwert der einzelnen Programme und identifizierten die Schlüsselelemente für eine erfolgreiche Umsetzung von Umwelt- und Sicherheitszielen.

In den USA führten die gezielten Anreize zwar zu positiven Ergebnissen durch Kraftstoffeinsparungen. Jedoch waren diese Anreize nicht optimal auf Verbrauchsverbesserung oder den Schadstoffreduzierung abgestimmt.

Anders dagegen die Erfahrungen in Deutschland. Hier wurden viele Kleinwagen gegen Mittelklassefahrzeuge eingetauscht, was die Wirksamkeit (in der Summe) reduzierte. In Frankreich profitierte die Wirksamkeit von einem CO2-Limit als Teil der Typenzulassung für Neuwagen wie auch von der Abwrackung vor allem sehr alter, stark emittierender Fahrzeuge. Andererseits führten diese Auflagen zu einem sehr hohen Anteil von Dieselfahrzeugen unter den Neuzulassungen, was die Wirkung auf NOx-Emissionen reduziert.

Obwohl die drei Programme insgesamt zur Verminderung von CO2–Emissionen beitrugen, waren die monetarisierten Auswirkungen gering. Sie liegen bei knapp 5 Millionen Euro in den USA und weniger als 10 Millionen Euro in Frankreich und Deutschland. Die monetarisierten Auswirkungen bei den NOx-Emissionen scheinen dagegen deutlich höher zu sein: Sie belaufen sich den Berechnungen zufolge auf knapp 300 Million Euro in Deutschland und den USA sowie etwa 100 Millionen Euro in Frankreich.

Mit Blick auf eine Verbesserung der Verkehrssicherheit durch modernere Autos ergibt sich für die Experten folgendes Bild: In den USA dürfte das dortige Abwrackprogramm rund 2800 schwere Verletzungen vermeiden helfen, davon 40 mit tödlichem Ausgang. In Deutschland gehen die Experten von 60 Verkehrstoten und 6100 Schwerverletzten weniger infolge der Abwrackprämie aus. Für Frankreich werden lediglich 330 Schwerverletzte weniger veranschlagt, von denen 20 gestorben wären.

Die ITF kommt zu folgenden Empfehlungen: Die Zielsetzung von Abwrackprogrammen sollten sehr genau durchdacht werden. Nur wenn die Bedingungen und Anreize für die Verschrottung von Altwagen und den Kauf von Neuwagen differenziert gesetzt werden, lassen sich optimale Ergebnisse erzielen. Abwrackprämien böten zwar das Potenzial, Ziele wie die Verringerung von Schadstoffemissionen zu erreichen. Sie haben dies jedoch aufgrund ihrer Ausgestaltung nicht in dem möglichen Maß getan.

Auch deuten die Ergebnisse der Untersuchung darauf hin, dass die Bevorzugung von CO2-Reduktionszielen gegenüber der Verminderung anderer Emissionen und verbesserter Verkehrssicherheit insgesamt zu geringerer Kosteneffizienz und einem niedrigeren gesellschaftlichen Nutzen führt.

„Staatliche Hilfen für den Autotausch bringen nur echten Nutzen, wenn die Maßnahmen sorgfältig ausgestaltet werden”, erklärte Jack Short, Generalsekretär des Weltverkehrsforums, anlässlich der Präsentation der Studie. „Der Schlüssel dazu ist ein Best-Practice-Ansatz. Wir hoffen, dass vergleichende Studien wie diese dabei helfen, dass Länder, die ähnliche Programme erwägen, die für sie richtige Lösung finden.“

Link zur Studie (download in Englisch): http://www.internationaltransportforum.org/Pub/new.html

Hintergrund: Die Studie „Car Fleet Renewal Schemes: Environmental and Safety Impacts“ wurde von der niederländischen Forschungs- und Beratungsorganisation TNO gemeinsam mit Experten des Weltverkehrsforums und des Umweltdirektorats der OECD erstellt. Die Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit wurden vom niederländischen Institut für Verkehrssicherheitsforschung (SWOV) analysiert.

Initiiert wurde das Projekt wurde vom Weltverkehrsforum der OECD, dem OECD-Umweltdirektorat sowie der unabhängigen Stiftung FIA Foundation (Großbritannien) unter dem Dach der Global Fuel Economy Initiative (GFEI). Die GFEI arbeitet mit Ländern zusammen, um auf nationaler Ebene den Kraftstoffeffizienz zu erhöhen und so den globalen CO2-Ausstoß des Straßenverkehrs bis 2050 zu senken.


Social Bookmarks:
Facebook del.icio.us MySpace Google Stumbleupon Twitter Digg it Gmail Yahoo! My Web Reddit


| WEITERES AUS DIESER RUBRIK


Seat hat seinem Brot-und-Butter-Modell Ibiza nicht nur ein Facelift verpasst Der spanische Kleinwagen bietet jetzt mehr fürs gleiche Geld

Kompakter Neustart mit großen Chancen

Die magische Marke von 11.000 Euro sollte man als Hersteller von Kleinwagen heute nicht mehr überschreiten, denn die Konkurrenz ist groß. Wobei solche Kleinwagen mit denen früherer Jahre nur noch den Wortkern, nicht aber die Substanz gemeinsam haben. Die Branche spricht vom A0-Segment, einer Bandbreite von Automodellen, die unterhalb der Golfklasse angesiedelt sind. Darunter, also im Bereich A 00 rangieren die ganz kleinen Koreaner, Japaner sowie Smart, Mini und VW up und ihre Konzernableger von Skoda und Seat. [weiterlesen]


Auch Touristen etwa beim Elsass-Besuch betroffen – Neue Ausrüstungsvorschrift führt ab November zu Strafen

Promilleröhrchen wird Pflicht in Frankreich

Wer ab 1. Juni mal kurz den Rhein überquert, um im Elsass gemütlich zu speisen, sollte mindestens ein fabrikneues Alkoholteströhrchen im Auto haben. Das verlangt der Gesetzgeber jetzt von den rund 40 Millionen einheimischen Kraftfahrern und den zig Millionen Touristen. [weiterlesen]


Gesuchte Verkehrssünder werden über Online-Fotos identifiziert

Facebook kann Temposünder entlarven

Region – Auf der Jagd nach Temposündern nutzen Verkehrsbehörden jetzt offenbar auch soziale Netzwerke. Sie greifen dabei auf Fotos zurück, die ihnen helfen können, Personen auf den Fotos der Radarkameras zu identifizieren. [weiterlesen]


Fast die ganze Welt liebt dieses Auto – doch bei uns galt es als Stiefkind. Jetzt wurde es neu konzipiert.

Neuer Jetta – fast so gut wie der Passat

Rechtzeitig vor den närrischen Tagen können sich die Freunde klassischer Autos auch in Rottweil freuen: Am 21. Januar startet ein Auto in den deutschen Markt, dessen Name man zwar von früher kennt, das man aber nur selten auf unseren Straßen sieht. Dabei hat der neue Jetta nicht nur versteckte, sondern jetzt auch deutlich sichtbare Werte. [weiterlesen]


Ein konservativer Rebell aus Japan soll junge Kunden erobern – Kluge Elektronik sorgt für Sicherheit auf Schnee und Eis

Suzuki schickt den Kizashi nach Europa

ROTTWEIL, 17. Januar (nils) - Skifahrer brettern plattgebügelte Pisten hinunter. Fast im gleichen Tempo erproben wir mit dem neuen Suzuki Swift 4x4 und dem ebenfalls neuen Kizashi 4x4 auf einem eigens eingerichteten Testparcours die aktuellsten Allradler aus Fernost. [weiterlesen]


Schon gefahren:

Gefälliger Stromer: der i-MiEV, das Elektroauto von Mitsubishi

Rechtzeitig vor Jahresende hat Mitsubishi in Deutschland die ersten, in Japan am Fließband gebauten Elektroautos zugelassen. Nach gut 40 Stadtkilometern ziehen wir eine optimistische Bilanz. [weiterlesen]


Autoglas Pfaff

Radprofi Andreas Klöden lässt sein Auto in Rottweil "einpacken"

ROTTWEIL, 11. Novemberg (pm) - Radprofi Andreas Klöden, einst Kollege von Jan Ullrich, hat kürzlich Rottweil einen Besuch abgestattet - um sich auf der Saline sein Fahrzeug in schwarze Folie einpacken zu lassen. [weiterlesen]


Seat bietet mit dem Alhambra eine preiswerte Alternative zum Konzernbruder VW-Sharan

Seat Alhambra - Der Spanier aus Portugal

ROTTWEIL– Wohl dem, der neben einem VW-Betrieb auch einen Seat-Händler in erreichbarer Nähe hat. Er kann, auch ohne Internet, die ganze Breite des Volkswagenkonzerns anschauen und vergleichen. [weiterlesen]






Anzeige
Wollen Sie hier Ihre Anzeige platzieren? Mail an anzeigen@NRWZ.de genügt! Wir informieren Sie gerne über Ihre Möglichkeiten.